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Was beschäftigt Dich, Sebastian Topp?

Lang ist es her, dass wir unseren letzten „Was beschäftigt Dich gerade?“ – Beitrag hatten.
Doch gut Ding will manchmal Weile haben. Und so freuen wir uns umso mehr, dass wir nach zehn Monaten von Sebastian Topp Antwort auf unsere Frage erhielten.
Wieso das dann doch ein paar Tage länger gedauert hat? Das schreibt er recht eindrücklich in seiner Antwort.

Wir kennen und schätzen Sebastian seit der vorletzten Spielwarenmesse.
Als Geschäftsführer von NOCH ist er in einem Bereich der Spielwarenbranche tätig, mit der wir bisher leider nur wenig Berührung hatten, nämlich dem Eisenbahn-Modellbau.
Die Verbindung zum Modellbau ist Sebastian eigentlich schon in die Wiege gelegt: Als Vierjähriger ist der gebürtige Nordrheinwestfale nämlich nach Süddeutschland gezogen, weil sein Vater bei Märklin tätig war. Seit 2009 ist Sebastian nun bei NOCH, zunächst als Marketingleiter, und seit 2015 als Geschäftsführer.
Wir wünschen diesem Segment der Branche noch viele so quirlig-fröhlich-aktiv-neugierigen jungen Leute wie ihn. Denn das bringt frische und innovative Ideen – und sorgt für Nachwuchs auch auf Kundenseite.
Nein. Nicht wegen NOCHs „kleinster Peepshow der Welt“, die auf dem Messestand der Renner war. Eher wohl wegen dem innovativen Ansatz, auch in der Fertigungstechnik – beispielsweise mittels 3D-Druck.

Sebastian Topp

Sebastian, was beschäftigt Dich gerade?

Zeit

Ich habe seit Ewigkeiten keine Langeweile mehr gehabt und ehrlich gesagt, vermisse ich sie so langsam sogar ein bisschen. Langeweile kann man in diesem Zusammenhang als „Überschuss an Zeit“ begreifen. Klar, geschäftlich ist immer viel zu tun, mein Job macht mir riesigen Spaß, ich bin viel auf Reisen unterwegs und das Privatleben sollte man auch nicht gänzlich vernachlässigen. Als Geschäftsführer habe ich außerdem niemanden über mir, der mir die Menge der Aufgaben vorgeben würde. Ich setze meine Erwartungen daher mittlerweile selbst – und auf sich selbst nimmt man bekanntlich ja am wenigsten Rücksicht. Was dazu in den letzten Jahren außerdem extrem zugenommen hat, ist die permanente Erreichbarkeit, gerade durch das Smartphone und permanent verfügbare Internet-Verbindungen.

Natürlich möchte man einem Kunden dann noch schnell die ein oder andere kurze Frage per E-Mail abends von zuhause aus beantworten, oder man schreibt die Eckdaten für ein neues Projekt auf dem Flughafen kurz vor dem Abflug am Gate zusammen. Internationale Kommunikation mit Kunden und Lieferanten in den USA und Asien lässt E-Mails außerdem mittlerweile zu allen Tages- und Nachtzeiten eintrudeln. Alles in allem ist der Arbeitsablauf durch E-Mails und moderne Kommunikation sicherlich einfacher, schneller und effizienter geworden. Durch die gestiegene Frequenz werden die Leerlaufzeiten dazwischen jedoch immer kürzer. In der Regel ist die Antwort per E-Mail ja genauso schnell da, wie die Frage gestellt wurde. Früher hätte man einen Brief geschrieben, der zwei Tage unterwegs gewesen wäre, und man hätte die Antwort frühestens vier Tage später per Post bekommen. Wenn einem Frage und Antwort überhaupt das Porto Wert gewesen wäre. Diese Verdichtung der Kommunikation verkürzt die Zeit zwischen den Antworten und sorgt in der Konsequenz dafür, dass wir immer mehr Projekte in immer kürzerer Zeit umsetzen können, was prinzipiell auch sehr gut ist.

Die „natürlichen Schonräume“ werden dabei jedoch immer weniger: Bisher hat man wenigstens im Flugzeug noch ein gutes Gefühl, da man hier einfach nicht erreichbar ist. Der Captain bittet darum, die Smartphones auszuschalten, und man hält sich gern daran: Zum Einen will man ja nicht abstürzen, zum Anderen hat man auch eine prima Ausrede, einfach mal ein paar Stunden nicht erreichbar zu sein. Und plötzlich ist auch wieder die Zeit da, ein Buch zu lesen, einen Film zu schauen oder sich einfach mal ausgiebig zu langweilen. Mittlerweile werden aber auch auf den ersten Flügen W-Lan-Verbindungen zu völlig überzogenen Preisen angeboten. Ich fürchte jedoch, dass das in nicht allzu weit entfernter Zukunft ebenfalls (kostenfreier) Standard sein wird und auch dieser letzte Schonraum fällt.

Diese Entwicklung lässt sich natürlich nicht aufhalten oder umkehren und ist per se auch nicht negativ. Allerdings denke ich, dass wir uns damit kritisch und verantwortungsvoll auseinandersetzen müssen. Unseren Mitarbeitern zum Beispiel stellen wir frei, ob sie sich ihre E-Mails auf ihr Smartphone schicken lassen möchten oder nicht. Die Möglichkeit wird dabei von den wenigsten genutzt. „Erstaunlicherweise“ funktioniert das trotzdem ganz gut: Auch sie erfüllen Ihre Aufgaben immer pünktlich und die E-Mails werden trotzdem zeitnah beantwortet. Das geschieht dann zwar erst am nächsten Tag aus dem Büro statt abends von zuhause, reicht aber in 100% aller Fälle völlig aus.

Nun habe ich seit drei Tagen Urlaub – immer noch keine Langeweile – aber immerhin etwas Zeit zum Nachdenken. Mir ist dabei aufgefallen, dass es durch die gestiegene Schlagzahl ziemlich viele „Muss“ und „Könnte“ in meinem Alltag gibt: Ich „muss“ noch diese E-Mail schreiben, ich  „muss“ noch an folgendes Detail beim Projekt XY denken etc. Außerdem „könnte“ ich mal wieder Sport treiben, „könnte“ meine Eltern öfters besuchen und „könnte“ nach Feierabend eine Runde laufen gehen. Die „Muss“ beanspruchen meine Zeit dabei so sehr, dass die „Könnte“ leider nur selten zum Zug kommen, was sehr schade ist.
Ich habe mir daher vorgenommen, einfach damit anzufangen, künftig ein „Muss“ am Tag zu finden, das sich vielleicht nur aus Gewohnheit wie ein „Muss“ zur sofortigen Umsetzung anfühlt, in Wahrheit aber noch einen Tag Geduld mit mir haben kann. Die Zeit, die sich damit gewinnen lässt, möchte ich gern mit einem „Könnte“ füllen.

Ich hab damit gleich heute angefangen und erstmal meinen Friseur-Termin verschoben (obwohl ich da eigentlich wirklich dringend mal wieder hin müsste). Dafür werde ich heute Abend eine Runde laufen gehen. Hoffentlich hört es bis dahin auf zu regnen. Obwohl: ich „könnte“ ja auch einen Schirm mitnehmen…

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