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Andere Länder, andere Schriften

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Im gestrigen Beitrag ging es ums Alphabet – und was für ein wirklich erstaunliches System ist das doch: aus 26 kleinen, harmlosen Buchstaben (wenn man die Umlaute und das Eszett mal beiseite lässt) kann eine de facto unendliche Zahl von Wörtern, Sätzen, Geschichten, Berichten und (Meta-)Erzählungen geformt werden, die Menschen zum Lachen und Weinen, zum Lieben und Zürnen, zum Träumen und zum Verändern des Laufes der Welt bringen können!

Nun gibt es ja aber nicht nur unsere Sprache, mit ihrer speziellen Form der Verschriftlichung, sondern deren letztendlich unbekannt viele auf der Erde, mit ihrerseits wiederum ganz eigenen Alphabeten, ganz speziellen und besonderen schriftlichen Ausprägungen.

Eine Sprache bedeutet und bedingt, siehe Wilhelm von Humboldt, nun immer auch eine jeweilige, besondere Sicht der Welt. Grund genug, hin und wieder über den eigenen kulturellen Sprachhorizont hinauszuschauen und zu staunen, was da noch alles zu entdecken ist – wie etwa die Welt, die Sprache und die dazugehörige Schrift der Cree, die die größte Gruppe unter den First Nations bilden. Eine wunderbare Gelegenheit, sich mit besagten Cree zu befassen, bieten jetzt die bei Rieder erschienenen und ab 2 Jahren empfohlenen Bücher „Warten“:

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und „Helfen“:

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Sie erzählen vom alltäglichen Leben einer First-Nations-Familie. Dabei gibt es, und wie angenehm ist das zur Abwechslung einmal!, keine Abenteuer, keine Dramen, keinen Stress, keine nervenzerreißende Spannung – stattdessen fließt das Leben im Miteinander der Generationen ruhig und beruhigend und schön, im Einklang mit der Natur.

Dargestellt wird das im entsprechenden Großformat (22,5 x 32 cm) durch die Acryl-auf-Leinwand-Kunstwerke der zum Stamm der Tahltan gehörenden kanadischen Künstlerin Catitlin Dale Nicholson; die die Bilder begleitenden, kurzen Texte wurden von der an der Universität von British Columbia unterrichtenden Cree-Stammesmutter Leona Morin-Nelson verfasst, die zudem die Idee zu diesen beiden sehr beeindruckenden Büchern hatte.

Und um eben auch durch die Sprache und die entsprechende Schrift einen Einblick in die Welt der Cree zu bekommen, wurden die Originaltexte neben der deutschen Übersetzung (vorgenommen von Susanna und Johannes Rieder) noch in der Cree-Silbenschrift sowie in der Transkription in unsere lateinische Schrift festgehalten.

Doch selbst jenen, die nun kein größeres Interesse an sprachlichen Besonderheiten haben, seien diese Bücher ans Herz gelegt. Denn, und da verwenden wir jetzt mal ganz bewusst ein zwar schon leicht abgegriffenes, nichtsdestotrotz aber in unserer heutigen, hiesigen, hektischen Welt hoch relevantes Wort: so, wie in diesen beiden außergewöhnlichen Werken gezeigt, geht Entschleunigung!

Es lohnt sich also unbedingt, den Buchladen eures Vertrauens aufzusuchen oder gleich direkt auf die Verlagshomepage zu gehen.

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