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… und führe sie in Versuchung!

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Nun, da die deutsche Mannschaft verdientermaßen aus dem Turnier geflogen ist, hat man endlich wieder Muße, etwas ganz anderes zu betrachten – entlang urbaner Flaniermeilen, in Cafés und Kneipen, in Bars und Clubs, während lauer Sommernächte: nämlich Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit, um mal einen wirklich genialen Filmtitel zu zitieren.
Und angesichts des zuweilen ja tatsächlich recht seltsamen Gebarens fragt man sich dann, was eigentlich dazu führen mag? Wird es eventuell daran liegen, dass der Mensch wohl weitaus weniger die Krone als vielmehr ein voll integrierter Bestandteil der Schöpfung ist und gewisse Rituale daher quasi automatisiert vollzieht?

Werfen wir also einen Blick in die unverfälschte Natur und begutachten einige wahrlich fantastische „Verführungskünstler“, wie sie uns Frédéric Clément (Text und Illustration) in seinem großartigen, bei Knesebeck erschienenen und ab 6 Jahren empfohlenen Buch präsentiert:

Cover

Wie Tiere zueinanderfinden“, lautet ganz lapidar der Untertitel dieses Buches – „Parades“ aber heißt es im französischen Original, was sich durchaus wörtlich mit Paraden übersetzen ließe; und ebensolche liefern uns die acht hier vorgestellten Kandidaten in Reinkultur.

Passend dazu stimmt einen das Vorwort im sprachlichen Duktus eines Conférenciers auf eine glanzvolle Show, auf beeindruckende Darbietungen, auf ein „Paradiestheater“ ein – und es verspricht nicht zu viel!

Da wäre etwa der Tanz des auch schon auf dem Cover zu bewundernden Paradiesvogels, der seine Schmuckfedern glanzvoll zu präsentieren weiß:

vogel

Oder, sehr viel rustikaler, ruppiger, kämpferischer, das Duellverhalten des Hirsches, mit – natürlich nur im Siegesfall – der Aussicht auf die Führung des Rudels:

hirsch

Oder, sozusagen der Klassiker unter den Showtypen, der Pfau samt seinem geradezu legendären Rad:

pfau

– dessen Augenmusterung übrigens von Ovid in den Metamorphosen höchst einleuchtend erklärt wird; diese Geschichte begleitet dann auch die Bilder des Pfaus.

Doch auch ohne den Rückgriff auf Ovid weiß dieses besondere Buch nicht nur durch seine wunderschönen, im Großformat (28,5 x 25,5 cm) präsentierten Illustrationen zu faszinieren; denn gleichermaßen strahlen seine begleitenden, informativen Texte (Übersetzung ins Deutsche: Sarah Pasquay) echte und mitreißende Begeisterung für ihr Thema aus, widmen sich ihm, ganz zu Recht, auf durchaus poetische Weise.

Auch die fünf weiteren vorgestellten Meister ihres Fachs – das Seepferdchen etwa, der Leuchtkäfer oder die Pfauenspinne – demonstrieren dann sehr deutlich den Unterschied zwischen Wollen und Können. So manchen Balz-Eleven auf unseren Straßen würde man dieses Buch daher recht gern in die Hand drücken zum genauen Studium; ganz unabhängig davon und vor allem aber ist es ein tolles, gelungenes Panorama des Einfallsreichtums von Mutter Natur.

Und ihr erhaltet es, auch ohne großes Werben, im Buchladen eures Vertrauens oder direkt bei Knesebeck.

So, what do you think ?