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My name is Luka* – Junge oder Mädchen?

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Tja, so ist das mit den Zitaten. Aus dem Kontext gerupft, ein bisschen umformuliert, und schon heißt es: Namen sind Schall und Rauch. Fake News!, werden nun zumindest all jene rufen, die schon mal vor der Aufgabe standen, ihrem Kind einen Namen zu geben – und Recht haben sie, denn nicht nur Kleider, sondern auch „Namen machen Leute“. Und deswegen trägt dieses so informative wie unterhaltsame Buch von Gabriele Rodriguez, erschienen bei Komplett-Media, den adäquaten Untertitel „Wie Vornamen unser Leben beeinflussen“:

MK-Namen machen Leute-RGB

Auch auf dem Cover zu lesen: der Hinweis, das Buch sei „Von der Spezialistin für Vornamen“ – und tatsächlich ist Gabriele Rodriguez, wie wir erfahren, die einzige Namenforscherin Deutschlands, die sich auf Vornamen spezialisiert hat. Da darf man dann wohl getrost von einer echten Koryphäe sprechen! Sie gehört zum Team der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig. Eltern und Standesämter können bei ihr die Zulässigkeit, Schreibweise oder Geschichte von Vornamen prüfen und sich beraten lassen.

Auf fast 250 Seiten widmet sie sich in ihrem Buch nun eben diesem Thema. Nach einer kurzen Einführung zur eigenen Person und einer bereits mit einigen köstlichen Anekdoten versehenen Schilderung ihres Aufgabenbereiches folgt ein erhellendes Kapitel zu den Dynamiken, welchen die Wahrnehmung eines Vornamens heutzutage unterworfen sein kann – Stichwort „Kevinismus“ …

Dann geht es zurück in die Geschichte, zunächst ganz weit zurück bis zu den Germanen: warum und wie entstanden Namen überhaupt? Und wie veränderte sich die Namengebung im Zuge der Christianisierung? Schließlich das 20. Jahrhundert bis zur Jetztzeit – welche Prozesse waren und sind da zu beobachten? Diese Kapitel sind, siehe oben, immer beides: sie sind höchst informativ, und weil sie aber auch so unterhaltsam verfasst sind, sind sie eben keineswegs nur für sprachforschende, namenkundlich neugierige Akademiker interessant, sondern für alle, die, siehe noch weiter oben, Namen für wesentlich mehr als Schall und Rauch halten.

Und dann folgt die umfassende Kür: jetzt wendet sich Rodriguez den Fallbeispielen zu – jenen, die sie selbst schon in ihrem beruflichen Alltag erlebt hat, und jenen, die sie aus Deutschland und aus aller Welt zusammengetragen hat. So musste sie einem Vater mal erläutern, wieso man eine Tochter zwar Mercedes, nicht aber Porsche nennen könne; sie erzählt, wieso es zwei Teenager namens Vivian Galeria und Frauke Galeria gibt; sie berichtet von überaus schwierigen Gutachten zu den erwünschten Namen Djehad und Ussama; und auch von solchen zu den eher kuriosen Fällen Bluna und Wasa.

Hinaus in die weite Welt, nach Australien etwa: eine Tochter namens Lanesra? Warum nicht … (doch lese man den Namen rückwärts – tja, König Fußball eben). Ein Sohn namens, wortwörtlich, Mister Rambo? In Costa Rica zu finden. Anasthesia lebt in Indien, und Pink Floyd Flash Roberto Camargo trifft man in Kolumbien.

Doch nie beschränkt sich die Autorin auf reines Namedropping – immer stellt sie die Beispiele in soziokulturelle Zusammenhänge, flicht Etymologisches mit ein, erzählt Hintergründe und Hintergründiges der Namen.

Auch widmet sie sich den Gemeinsamkeiten von Promis und Bildungsbenachteiligten; nimmt uns mit in die Welt der Indianer- und Pflanzennamen; und wer schon immer Johnny Cash liebte, aber nie verstand, wovon sein wunderbares Lied „A Boy Named Sue“ handelt (oder wer wissen möchte, was es mit der Überschrift dieses Beitrags auf sich hat) – selbst der wird hier fündig.

Fazit: What‘s in a name?, wird bei Shakespeare gefragt – Na, eine ganze Menge!, antwortet dieses sehr empfehlenswerte Buch, das demnach nicht nur ein Muss für werdende Eltern auf Namensuche ist, sondern im Grunde für alle, die einen Namen haben!

Und ihr findet es wie üblich beim Buchladen eures Vertrauens oder direkt bei Komplett-Media.

*Suzanne Vega, „Luka“

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