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Man muss nur wollen und daran glauben …*

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245 Meter. Ganz schön lang für ein Schiff. Schlichtweg gewaltig allerdings ist diese Länge für ein Schiff, das sich durch die Lüfte bewegt – für ein Luftschiff also. Doch exakt dieses Maß hatte das legendäre LZ 129, genannt Hindenburg; und damit ist bzw. war es das größte Luftfahrzeug aller Zeiten. Zum Vergleich: Das momentan weltweit größte Passagierflugzeug, der Airbus A 380, kommt gerade mal auf schlappe 72 Meter Länge!

Wie nähert man sich nun so einem ehrfurchtgebietenden Giganten? Stephan Martin Meyer (Text) und Thorwald Spangenberg (Illustrationen) haben einen bestechend simplen und überaus wirkungsvollen Weg gefunden – indem sie nämlich einem Zeitzeugen über die Schulter schauen, der als Mannschaftsmitglied an Bord der Hindenburg war! Und so haben wir nun dank diesem beeindruckenden, bei Gerstenberg erschienenen und ab 8 Jahren empfohlenen Buch die fantastische Gelegenheit, „Mit dem Zeppelin nach New York“ zu fahren und dabei, so der Untertitel, „Die Geschichte vom Kabinenjungen Werner Franz“ zu erleben:

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Doch bevor es nach New York geht, geht es zunächst nach Rio de Janeiro – und bevor es nach Rio geht, muss Werner ja überhaupt erst mal Teil der Crew werden! Und so beginnt seine Geschichte im Frankfurt des Jahres 1936 mit einer ganz profanen Jobsuche, die jedoch alsbald jegliche Profanität hinter sich lässt, denn wie Franz von seinem Bruder erfährt, wird ein Kabinenjunge für LZ 129 gesucht! Und tatsächlich: Franz bekommt die Stelle, und gerade mal eine Woche später beginnt schon die erste große Reise, nach Rio, mit der Ausfahrt des Luftschiffs aus dem Hangar:

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Zweierlei fällt nun an diesem Buch besonders positiv auf – zum einen ist dies die angenehm ruhige Sprache des erzählenden Sachbuches: perfekt ausgewogen zwischen anschaulich unterhaltsam und faktenbasiert informativ. Viele zusätzlich eingefügte Kästen erläutern zudem detailliert fast alles, was es an (nicht nur technisch) Wissenswertem zu LZ 129, und vieles von dem, was es zu begleitenden zeitgeschichtlichen Umständen und Ereignissen zu berichten gibt.
Zum anderen spielen die mit Karten, Infografiken und Graphic-Novel-Elementen kombinierten Gouache-Illustrationen, nicht zuletzt auch dank des großen Buchformats von 22 x 30,5 cm, eine absolut gleichwertige Rolle: Sie liefern so viele Sichtweisen auf das Luftschiff, seine Fahrten, sein Personal und seine Passagiere, auf sein technisches und zwischenmenschliches Innenleben; sie geben uns großartige Panoramen dieses Riesen am Himmel, und sie beeindrucken durch ihre warme Patina wie durch ihre lebendige Präsenz und auch durch ihre historische Unbestechlichkeit.

Noch einige Male fährt Werner Franz nun mit der Hindenburg nach Südamerika; dann aber, am 3. Mai 1937, beginnt endlich seine Fahrt nach New York, die den Zeppelin auch über Köln hinwegschweben lässt:

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Tja. Und dann eben New York. Mehrfach hatte LZ 129 schon am Ankermast von Lakehurst festgemacht. Doch diesmal, am 6. Mai 1937 …

… Werner Franz hat irrsinniges Glück – er überlebt die Katastrophe, in der Wirklichkeit, und natürlich auch im Buch. Die große Ära der Zeppeline jedoch ist damit zu Ende. Wer sie sich aber noch einmal in Erinnerung rufen möchte, dem sei unbedingt dieses großartige Werk empfohlen, das eine spannende Geschichte, ein kompetenter Führer zu einer technischen Meisterleistung, die gebührende Würdigung einer Ikone des Luftfahrzeugbaus und eine Verneigung vor all jenen Menschen ist, die dieses Wunderwerk durch sein Element, hoch oben in den Lüften, geleiteten.

Und wie immer bekommt ihr dieses Buch beim Buchladen eures Vertrauens oder direkt bei Gerstenberg.

[*… dann wird es gelingen – Ferdinand Graf von Zeppelin]

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