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Wissen ist Macht*

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Machiavelli? Oha! Das ist doch der mit dem Machiavellismus, jener „Macht statt Moral“–Geisteshaltung, wie man landläufig meint? Und so einer, so eine Gedankenwelt soll förderlich sein für ein Kind? Nun, etwas differenzierter ist dieser Ansicht zumindest Jean-Baptiste Hennequin mit seinem bei Beltz erschienenen Buch „Machiavelli für meinen Sohn“:

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Ganz wunderbar illustriert das Cover ja dessen Untertitel „Eine kleine Philosophie der Macht“ – und mit dem Cover darf bereits ein Umdenken beginnen. Denn: Wie schön wäre die Welt, wenn alle Fischlein im Teiche gar friedlich umeinander paddelten. Tun sie aber nicht. Und auch wir Menschen, die wir die Gewässer zwar schon vor längerer Zeit verließen, behielten aber dennoch so einiges an archaischen Verhaltensweisen bei. Was nicht weiter auffiele, lebten wir alle konfliktfrei in konstantem Konsens. Das jedoch ist nicht der Fall, es gibt Interessengegensätze zur Genüge. Und die Durchsetzung der eigenen Interessen ist ein Zweck, der, siehe oben, vielen viele Mittel heiligt. Doch auch ohne den gegnerischen Einsatz wenig heiliger Mittel gilt: Der Mensch, auch schon der junge Mensch, sollte in der Lage sein, sich, trotz aller Widerstände, einen Platz in der Gesellschaft zu bereiten.

Kommen wir zurück zu Machiavelli. Jener, 1469 in Florenz geboren und dort 1527 auch gestorben, ist heute vor allem bekannt durch seine Abhandlung Il Principe (Der Fürst). Was er dort „formuliert hat, lässt sich auf ganz verschiedene Weise interpretieren. Manche sehen in ihm einen aufrichtigen Humanisten, während andere ihn für einen zynischen Vorläufer des Faschismus halten“, so Hennequin in seinem von Christiane Landgrebe hervorragend ins Deutsche übersetzten Buch, das er in Form einer direkten Ansprache an seinen Sohn geschrieben hat. Und was beabsichtigt nun er selbst damit? Er schreibt: „Ich wünsche dir, mithilfe der Ideen Machiavellis zu einem freien Menschen zu werden, der gewappnet ist gegenüber Lug und Trug und besonnen zu handeln versteht in Zeiten der permanenten Veränderung“.

Hennequin war Berater des Pariser Bürgermeisters; heute arbeitet er als Generalsekretär der Pariser Eliteschule École supérieure de physique et de chimie industrielles. In seinem Buch zeigt er sich als ein Mensch von hoher Bildung und umfassendem Wissen, welchselbige er auch vehement für den Nachwuchs postuliert und, darin ganz mit Francis Bacon einig, als prioritär einstuft; er zeigt sich als dezenter Kulturpessimist, als liebender und ein bisschen besorgter Vater, und als ein Autor, der komplexe Zusammenhänge so darzulegen versteht, dass über sie zu lesen gewinnbringender Genuss ist. Dabei muss man ihm keineswegs überall und jederzeit zustimmen. Doch immer ist die Lektüre seines Buches äußerst anregend, sie motiviert, sich mit grundlegenden Fragen des Lebens in der menschlichen Gesellschaft zu befassen – und sie darf durchaus auch verstanden werden als eine im besten Sinne deutliche Aufforderung für Väter und Mütter von Söhnen und Töchtern, sich gut zu überlegen, welches geistige Rüstzeug sie dem Nachwuchs mit auf den Weg ins Leben geben wollen. Ein hervorragendes, ein wichtiges Buch.

… das ihr beim Buchladen eures Vertrauen oder direkt bei Beltz erhalten könnt.

*Francis Bacon

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