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Kein Küsschen in Ehren

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Der Verfasser dieser Zeilen hatte eine 1911 geborene Verwandte, Tante Hilda genannt – Gott hab sie selig. Tante Hilda war eine durchaus bemerkenswerte Persönlichkeit; so hatte sie etwa ihre Jugend zeitweise in São Paulo verbracht, wovon sie sehr unterhaltsam zu berichten wusste.
Nun, de mortuis nihil nisi bene. Dass aber Tante Hilda bei jedem Treffen auf einem Begrüßungsküsschen bestand, das blieb besagtem Verfasser, damals noch im Kindesalter, nicht gerade in allerbester Erinnerung.

Weshalb er jetzt große Sympathien für Leo empfindet … wer Leo ist? Tja, Leo ist ein kleiner Junge, dem die liebe Verwandtschaft mit Begeisterung Bussis aufdrücken möchte, fröhlich ignorierend, dass Leos Haltung zu solcherlei Aktionen eindeutig ist: „Küsschen? Bäh!“, so sieht er das nämlich in dem köstlichen Buch von Barbara Rose (Text) und Volker Fredrich (Illustration), bei Tulipan erschienen und ab 4 Jahren empfohlen:

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Da wäre zum Beispiel Tante Lissi nebst Pudel Rudi, die beide einen Narren am armen Leo gefressen haben und dessen ablehnende Haltung entspannt ignorieren:

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und auch die zuweilen zahnlose Oma Else hält Leos Negativbescheid für negierbar:

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Eines schönen Tages nun, anlässlich des Geburtstags von Leos Vater, treffen diese beiden und noch weitere, trifft also die ganze Blase en bloc ein! Was bleibt Leo da übrig, als sich auf sein Zimmer zu flüchten? Doch dieser Rückzug wird ihm nicht gegönnt: schleunigst soll er runterkommen, richten ihm erst sein Bruder und dann seine Schwester grinsend aus:

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– grinsend, denn die beiden haben sich einst durch gewisse, dezent unlautere Maßnahmen des bedrohlichen Geknutsches dauerhaft entziehen können …

Was aber wird jetzt mit Leo? Verbarrikadiert er sich in seinem Zimmer? Ergibt er sich in sein grausames Schicksal? Oder fällt auch ihm etwas ein, wodurch er künftig kussfrei bleiben kann? Keine Sorge: Leo wird sich auf eine äußerst amüsante und ebenso effektive Art zu wehren wissen, die zu verfolgen den Lesespaß bei diesem tollen Buch mit seinen drolligen Illustrationen schadenfroh komplettiert – und Schadenfreude sei hier allemal erlaubt, hatte Leo doch im Vorfeld hinreichend auf seinen Unwillen hingewiesen; selbst Schuld, wer da also glaubte, dem Wunsch eines Kindes brauche keine Beachtung geschenkt zu werden!

Fazit: Manchmal müssen eben die Kinder die Erziehung der Erwachsenen übernehmen, und das freilich mit ihrer ganz eigenen Methodik. So ist dieses Buch ein gelungener Spaß, aber auch ein unterhaltsamer Ratgeber: Hört ruhig mal hin, wenn Kinder nein sagen.

Ihr findet das Buch wie üblich beim Buchladen eures Vertrauens und sicher bald auch wieder via Verlagshomepage, wenn diese ihren aktuellen Wartungsmodus verlassen hat.

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