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Tolle Toi-Lettern

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„Herr Lippens, ich verwarne Ihnen“ – „Herr Schiedsrichter, Ich danke Sie“: nicht erst seit 1965 und vermutlich für alle Zukunft ist der Fußball samt seinem Umfeld ein großartiges Biotop für sprachliche Preziosen.

Jedoch, jedoch, nicht nur der Fußball: wie jeder weiß, der mal dringend musste, aber nicht daheim war, scheinen auch Türen und Wände öffentlicher Toiletten ein prima Habitat für triviales bis geniales Verbales zu sein.

Warum also nicht eine Magisterarbeit (und zwar 2009 an der Uni Bonn) über „Klo-Graffiti“ schreiben, selbige mit sprach- und kommunikationstheoretischem Besteck sezieren? Und wenn man dann schon eine Magisterarbeit über das Thema geschrieben hat, warum sich ihm nun nicht auch noch in Buchform mit einer höchst unterhaltsamen Sprüchesammlung widmen?

Eben. Da ist es also – „Klo-Poesie für alle Lebenslagen“, herausgegeben von der Texterin und Sprachwissenschaftlerin Katrin Fischer, mit Illustrationen versehen von Raffaela Schütterle, 192 bestens gefüllte Seiten stark, offiziell ab 14 Jahren empfohlen und bei Ravensburger erschienen:

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Jetzt ist es ja üblicherweise so, dass wir hier Kinderbücher vorstellen … Nun, zugegeben: So manch Lyrisches vom stillen Örtchen in diesem Buch ist in der einen oder anderen Hinsicht auch tatsächlich nicht unbedingt für die Jüngeren geeignet. Allerdings: Bis zu welchem Alter gehen denn Papa oder Mama überhaupt noch mit aufs publike Klo? Eben. Dann doch lieber in Form eines gemeinsamen, begleitenden Lesens den Nachwuchs vorbereiten auf die mal drollige, mal schnippische, mal anzügliche, mal boshafte, mal schrullige Welt hinter verschlossener Tür!

Katrin Fischer hat ihre Klosett-Sentenzen-Kollektion in sechs Themenkapitel unterteilt. Die kann man nun der Reihe nach lesen oder kreuz und quer, von vorn nach hinten oder von hinten nach vorn, systematisch oder stichprobenartig (so, wie man ja auch die Toiletten-Aperçus an Örtchen und Stelle gustieren würde) – ganz egal: es ist nahezu immer ein Riesenspaß. Und manchmal ist es auch ein riesiger Riesenspaß! Doch Ehre, wem Ehre gebührt: zuweilen mag es sogar passieren, dass man ins Nachdenken und Grübeln kommt. Wow, die Weisheit der Wände! Da kann man nur mit dem Titellied von Spectre sagen (oder singen): Writing’s on the Wall! Man lese es also!

Wer jetzt noch wissen will, wie man denn nur auf die Idee zu so einer Magisterarbeit kommen konnte, der führe sich hier, hier und hier ein paar Interviews mit Katrin Fischer zu Gemüte; und alle anderen machen sich stante pede auf zum nächsten Buchladen oder klicken gleich rüber zu Ravensburger.

So, what do you think ?