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Eine letzte Reise

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Verlust, Trauer, Bewältigung.

Jedes Leben endet mit dem Tod. Doch so natürlich der Tod damit auch ist, als so schmerzhaft erweist er sich dennoch für die, die zurückbleiben. Sich Schmerz und Trauer aber dauerhaft zu unterwerfen würde ins Nichts führen. Es ist also unumgänglich, diese dunklen und drückenden Gefühle zu verarbeiten, zu überwinden.

Ein Buch, das von einem solchen Prozess erzählt, kann keine leichte Kost sein. Faszinierenderweise kann es allerdings ein Abenteuerbuch sein! Die Rede ist von „Kartoffels Reise“ von Anja Hilling und Simona Sabato, mit Illustrationen versehen von Meike Teichmann und bei mixtvision erschienen:

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Das Buch ist in der verlagseigenen „Dramatiker erzählen für Kinder“-Reihe herausgekommen. Diese Reihe wurde vor 5 Jahren gestartet, um dem oft eigenen, besonderen Sprachduktus von Dramatikern einen Raum zu geben und ihn für Kinderliteratur zu nutzen. Was im Fall von „Kartoffels Reise“ ein echtes Juwel hervorgebracht hat.

Erzählt wird die Geschichte von Josha, dessen Hund Kartoffel gestorben ist. Seine Asche befindet sich in einer silbernen Kiste. Diese will Josha, der in in Deutschland lebt, aber indischer Herkunft ist, via Neu-Delhi nach Varanasi bringen. An diesem Ort wurde Joshas ebenfalls schon verstorbener Großvater Sunil vor 79 Jahren geboren, durch diesen Ort fließt der Ganges. Und „der Ganges soll sich auskennen mit Asche. Ein Fluss, so lang und unheimlich wie eine Nacht, die nicht hell wird. Er hat Arme und Hände, die den Toten den Weg hier raus zeigen.“ „Kartoffel, ich verspreche dir, du wirst im Ganges schwimmen“, sagt Josha zu dem, was von seinem Hund in der Kiste übriggeblieben ist.

Leicht versprochen, aber keineswegs leicht umgesetzt, denn Josha und Kartoffel haben sich heimlich von zu Hause davongemacht, sind ausgerissen, reisen allein, ohne Begleitung, ohne Schutz. Obwohl, nicht ganz: immer wieder erhält Josha leise, helfende Hinweise von Kartoffel oder Sunil! Und natürlich gibt es auch – lebende – Menschen, die sein Abenteuer unterstützen. Und nicht zuletzt ist Josha selbst keineswegs auf den Kopf gefallen!

So schafft er es tatsächlich ins Flugzeug, landet in Indien, findet den richtigen Bus zum Hauptbahnhof von Neu-Dehli – und ist überwältigt von den Menschenmassen, die er dort antrifft:

Am Bahnhof

Doch auch weiterhin hilft unter anderem das Glück dem Tapferen, und so erklimmt er den richtigen Zug, der ihn nach Varanasi bringen wird. Im Zug freundet er sich sogar mit einem Jungen, Sandeep, an. Und dessen Hilfe wird er noch dringend benötigen! Denn nachdem er im Zug vor Erschöpfung eingeschlafen ist,

Josha und Sandeep

stellt er beim Erwachen voller Schrecken fest, dass die Kiste mit Kartoffel gestohlen wurde!

Wie gesagt, dies ist eine Abenteuergeschichte. Aber eben eine, die bei ihrer Handlung nicht auf sinnfreie Actionlastigkeit setzt, eine Geschichte, die ihren Figuren Psychologie und Tiefe gibt, die ihre Orte mit wenigen, knappen Sätzen großartig zu beschreiben weiß, und die sich ganz generell einer immer wieder so unprätentiös-poetischen Sprache bedient, dass kleine und große Leser sich begeistert in den Bann dieses fantastischen Buches samt seiner ruhigen, berührenden Illustrationen ziehen lassen werden.

Fast zum Schluss dann, und herzergreifend bebildert, blickt Josha „ins schwarze Wasser. Er sieht seine Augen. Und andere. Er wünscht Kartoffel, dass er klarkommt auf seiner Reise. Wohin auch immer.“

Und dieses zum Sterben schöne Buch findet ihr bei eurem Buchladen in der Nähe oder direkt bei mixtvision.

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