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Neue Heimat?

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Sich an einem Ort zu befinden, der originär nicht Heimat ist, ist eine Situation, mit der sich aktuell sehr viele Menschen arrangieren müssen. Dass sie sich allerdings dort befinden, ist, so schwierig die Situation vor Ort auch sein mag, für die allermeisten tatsächlich noch eine Verbesserung ihrer zumeist unerträglichen Ausgangslage – weswegen sie sich letztendlich auch bewusst für diesen Wandel entschieden haben beziehungsweise, denn hier kann man nun durchaus von Alternativlosigkeit sprechen, entscheiden mussten.

Vom Sein an einem fremden Ort erzählt auch dieses ausgezeichnete Buch – „Grüne Bande“ von Martin Baltscheit (Text und Illustration), bei Beltz & Gelberg erschienen und ab 4 Jahren empfohlen:

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Doch es gibt einen kleinen Unterschied: Jene Bande grüner Papageien, die, wie auf dem Cover zu sehen, schon flugs dabei ist, sich mit der neuen Heimat anzufreunden – jene Bande gelangte nicht willentlich in das neue Habitat. Stattdessen wurde sie gefangen und (wenn man das grausame Wort in diesem Kontext verwenden darf) deportiert, im Laderaum eines Flugzeugs:

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Dann aber gelingt ihnen die Flucht, und nun sind sie, wo sie sind, und wollen und werden das Beste daraus machen. Es möge ihnen glücken! Jetzt allerdings erweitert die Erzählerin – wir bekommen sie erst einige Seiten später zu sehen, ein junges Mädchen ist es – die Perspektive und beginnt, darüber nachzudenken, was wäre, wenn es keine Papageien getroffen hätte, sondern andere Tiere, weniger kompatible … Oder was wäre, wenn die neue Umgebung sich für die Papageien als lebensfeindlich erwiesen hätte … Oder was wäre, wenn sie selbst, das kleine Mädchen, fortgeschickt, vertrieben würde, fliehen müsste, entkommen könnte, sich ein neues Zuhause zu erschaffen hätte …

Dies ist alles andere als ein einfaches Buch. Natürlich, es geht um Verschleppung und Vertreibung, um Flucht und Heimatlosigkeit, um Fremdheit und Unbekanntes, um – leider! – gängige Begriffe also. Eigentlich. Doch wofür stehen sie wirklich? Welche Wege, welche Schicksale verbergen sich dahinter? Was bedeuten sie tatsächlich? Wie fühlt sich das an?

Seine intensiven, höchst beeindruckenden Illustrationen – die wunderschöne Colorierung der Kolibris stammt übrigens von Tine Schwarz – und die knappen, doch enorm ausdrucksstarken Sätze eröffnen eine thematische Vielfalt, die dieses wichtige Buch zum Ausgangspunkt eines umfassenden, hochaktuellen Diskurses machen kann. Wie gesagt, empfohlen ist das Buch ab 4 Jahren – und das ist keineswegs zu früh, denn zum einen werden vielen Kindern ja bereits im Kindergarten oder auf dem Spielplatz die hier verhandelten Thematiken begegnen, und zum anderen macht es sein Angebot an Gedanken und Fragen auf eine ganz klare, direkte, verständliche, nachvollziehbare Art und Weise.

Diese großartige Gelegenheit, mit seinen Kindern über die Welt, wie sie auch ist, zu sprechen, sollte man nicht ungenutzt lassen.

Das Buch (13,95 €; ISBN: 978-3-407-82183-6) gibt es natürlich wie immer bei eurem Buchladen ums Eck oder bei Beltz & Gelberg; und nähere Informationen zu Martin Baltscheit findet ihr hier.

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