little blog things

Wanderer

0

What if God was one of us, singt die fantastische Joan Osborne im Refrain von One of us.

Und was, wenn Gott zwar nicht unbedingt einer von uns, aber auf einmal mitten unter uns wäre, und zwar einfach so, ohne den ganz großen Auftritt? Also nicht in Begleitung von Seraphim und Putten, ohne Ankündigung durch himmlische Chöre, unter Verzicht auf Aureolen oder sonstige visuelle Kostbarkeiten aus der Industrial Light & Magic-Effektschmiede?

Statt dessen erschiene er als ein etwas strubbeliger Herr in alter Jacke und mit zauseliger Fellmütze auf dem Kopf, der Hunde und Erdnussbuttersandwiches mag sowie, warum auch nicht, durchaus Ahnung von Fußball hat …

Hört sich kurios an? Ist vor allem eins: eine ganz wundervolle Idee, die keiner Wunder bedarf, um zu wirken, die stattdessen mitten im Alltäglichen eines kleinen Jungen stattfindet und großartige, berührende Akzente setzt durch etwas, das so einfach zu leisten wäre und doch so selten zu finden ist – durch besondere Aufmerksamkeit!

Aber was passiert denn nun genau in Gott, der Hund und ich

gott-0

von Will Gmehling (Text) und Wiebke Oeser (Illustrationen), im Peter Hammer Verlag erschienen und ab 5 Jahren empfohlen?

Tja, das ist ja genau das Tolle: nicht viel! „Ich saß auf der rostigen Schaukel bei uns in der Siedlung. Es regnete.“ – und mitten hinein in dieses etwas trübsinnige Szenario kommt Gott. Taucht, wie bereits erwähnt, einfach so auf: ohne jegliches Brimborium. Und fragt den kleinen Jungen, ob er Lust hätte auf einen Spaziergang. Hat er, und die beiden ziehen los. Gott bekommt die Siedlung gezeigt – das Hochhaus, die Garagen, den Parkplatz, die Mülltonnen. Sie nehmen den Bus, fahren in die Stadt, hängen ein bisschen im Park ab. Dann besuchen sie die Mutter des Jungen an ihrem Arbeitsplatz als Kassiererin in einem Supermarkt, sie treffen den arbeitslosen Vater, der dem Training seines Lieblingsclubs zusieht, sie bemerken einen offensichtlich ausgesetzten Hund, dessen Gott sich annimmt, zurück in der Siedlung schaukelt Gott dann noch ein bisschen, und schließlich zieht er weiter, in Begleitung des Hundes: „Sie […] sahen aus wie alle, die immer unterwegs sind.“

Fertig.

Doch immer: Gottes besondere Aufmerksamkeit! Beim Fußballtraining etwa, wo sich der Vater des Jungen in Gesellschaft seiner Freunde aufhält und die Männer Gott aus ihrem Leben erzählen: „Gott sah sie an. Nur sie. Nichts anderes zählte in diesem Moment. Er war nur für sie da“, heißt es, und das bleibt nicht ohne Folgen: „Ich werde nie vergessen, […] wie gut es ihnen danach ging“.

Und dafür, für Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, muss man ja noch nicht einmal Gott sein!

So ist dieses wunderschöne Buch also ein Buch für alle – für die, die an Gott glauben, und für die, die das nicht tun. Denn es weist auf das hin, was der Kern des Glaubens wie auch der Kern der Menschlichkeit sein sollte: Wertschätzung, Nächstenliebe!

Einen Blick ins Buch und damit auch auf die angenehm reduzierten, fast schon – im besten Sinne – skizzenhaften Illustrationen könnt ihr bei book2look und auf der Homepage von Will Gmehling werfen; und das Buch selbst erhaltet ihr natürlich bei eurem Buchladen ums Eck oder direkt beim Peter Hammer Verlag.

der Coverabbildung bei Peter Hammer Verlag]

So, what do you think ?