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Erst das Vergnügen, dann die Arbeit …

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– so könnte man Titel und Kernaussage dieses informativen, amüsant-unterhaltsamen Buches auch paraphrasieren: „Eltern werden ist nicht schwer …“ von Alexandra Bleyer, erschienen im Residenz-Verlag:

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Dass dieses Buch mit Fug und Recht als amüsant und unterhaltsam bezeichnet werden kann, ist allerdings erstaunlich genug, geht es doch um die, nun ja: Kollateralschäden einer hoffentlich erquicklich gewesenen Nacht. Falls diese zu reproduktivem Erfolg geführt haben sollte, wird es nämlich recht schnell anspruchsvoll. Und das war schon immer so, wie uns Alexandra Bleyer auf 205 bestens gefüllten Seiten mit einer vielseitig recherchierten und von einem wunderbar trockenen Humor begleiteten Kulturgeschichte des Elternseins vorführt.

Zwei allgemeine Kapitel, „Von der Liebe der Eltern zu ihren Kindern“ und „Eltern(da)sein im Laufe der Zeit“, führen überblickend in das Thema ein; danach widmen sich dann die Kapitel 3 bis 7 den einzelnen Entwicklungsstufen des Nachwuchses, jeweils anschaulich dargelegt anhand zahlreicher realer Fallbeispiele quer durch die Jahrhunderte. So geht es um: Schwangerschaft und Geburt, Babys und Kleinkinder; schulische Bildung und berufliche Ausbildung (falls es nicht gleich schon zu Kinderarbeit gekommen sein sollte), Pubertät und schließlich noch jenes Phänomen, dass mancher Nachkommenschaft eine echte Abnabelung kaum gelingen will. In allen Kapiteln finden sich ergänzend dazu erhellende Zitate und Auszüge aus der wohl immer schon vorhandenen Ratgeberliteratur, deren sich wandelnde Vorstellungen idealer Erziehung man schmunzelnd bis kopfschüttelnd verfolgt.

Und durchaus Kurioses kann man bei der Lektüre auch erfahren! Wie wäre es etwa damit: „Im Mittelalter war es keine Seltenheit, dass eine Mutter ihren Kindern ein ertrunkenes Huhn zum Spielen gab“ – prompt erfreut einen das heutige Spielwarenangebot trotz seiner gewissen Auswüchse doch wieder sehr!

Natürlich bekommen wir beim Lesen Einblicke in die Werdegänge berühmter Persönlichkeiten wie etwa Martin Luther, Franz von Assisi oder auch Ludwig XIV, über den es augenzwinkernd heißt: „[Er] hatte neun verschiedene Ammen, ob diese frühkindliche Prägung jedoch der Grund dafür ist, dass er sich in seinem späteren Leben nicht mit nur einer Frau zufriedengeben wollte, ist wissenschaftlich nicht belegt“.

Sehr erfreulich ist aber obendrein, dass Alexandra Bleyer auch von weitaus weniger bis überhaupt nicht berühmten Zeitgenossen zu berichten weiß – und damit die Betrachtung vieler historischer Alltagspanoramen ermöglicht, die letztendlich allesamt belegen: So ganz ohne war das Elternsein wohl nie. Doch das Schöne an diesem Buch ist, dass es, nicht zuletzt dank seines gutgelaunten Grundtons, nicht etwa wehleidig eine vermeintliche parentale Malaise beklagt und somit ambitionierten Elternschaftsanwärtern den Wind aus den Segeln nimmt, sondern, ganz im Gegenteil, Mut macht, sich der anspruchsvollen Aufgabe zu stellen – schließlich haben die meisten Eltern den nicht ganz einfachen Job dann doch ziemlich gut hingekriegt, auch das beweist dieser Blick in die Geschichte!
Und in diesem Sinne wünschen wir euch nun: genüssliche Nächte …

Das Buch bekommt ihr natürlich wie üblich bei eurem Buchhändler ums Eck oder direkt beim Residenz-Verlag.

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