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Gelichter der Großstadt

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Manch ein Buch kann bereits mit seinem Titel begeistern – etwa, wenn dieser nicht schrill-plakativ Aufmerksamkeit heischt, sondern einen entspannt dezenten Oldschool-Flair ausstrahlt, der besagt, dass hier nicht zwanghaft gewollt, sondern ganz einfach gekonnt wird.

Wie zum Beispiel bei „Edwina ermittelt in Berlin“ von Joana Breidenbach und Judith Homoki, mit Illustrationen von Martin Haake, bei Kleine Gestalten erschienen, 160 lohnenswerte Seiten stark und ab 10 Jahren empfohlen:

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Edwina ist die weibliche Form des Vornamens Edwin; dieser trägt die Bedeutung der begütete Freund – und dazu passt dann auch bestens der Untertitel des Buches, „Der Schatz des Priamos“.

So. Es findet also eine Ermittlung statt, in Berlin, durchgeführt von der 13 Jahre alten Edwina, die mit ihrer Schulklasse der Hauptstadt einen Besuch abstattet. Was erzählerisch ein genialer Kniff ist, denn: Professor Bockelmeier, der Klassenlehrer, ist ein so geschichtskundiger wie engagierter Pädagoge, der seiner Klasse mittels Museumsbesuchen und kurzweiligen Vorträgen ein möglichst breites Hintergrundwissen verschaffen will – wovon dann ganz nebenbei auch die Leserschaft stark profitiert. Hinzu kommt, dass man beim Lesen immer wieder auf collagenartige Illustrationen bedeutender Momente der Berliner Geschichte

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und auch auf manchen Stadtplanausschnitt

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stößt, so dass dieses höchst gelungene Buch allein schon als Stadtführer eine exzellente Figur machen würde.

Vor allem aber erweist sich die Geschichte um Edwinas Ermittlungen als eine tolle Krimi-Thriller-Kombination. Eigentlich soll Edwina, beauftragt von ihrem Opa, im Zuge ihres Berlin-Aufenthalts bei Opas ehemaligem Schulfreund nur ein ominöses Paket abgeben. Was sie auch tut. Doch kurz danach verschwindet dieser alte Herr urplötzlich, und Edwina, zielstrebige und fast etwas zu furchtlose Amateurdetektivin, macht sich auf die Suche nach ihm – und eben dem Schatz des Priamos! Wie das zusammenhängt? Und wie Edwina im Laufe ihrer Recherchen mit den Ereignissen der letzten Kriegstage in Berlin, mit NS- und DDR-Regime, mit Clärchens Ballhaus, Mauerfall und Führerbunker in Berührung kommt und zudem auch noch ziemlich in Gefahr gerät – und nicht nur sie allein? Tja, das wird hier wie üblich nicht verraten.

Besagter Oldschool-Flair jedenfalls steht keineswegs einer richtig spannenden, auch mit Action nicht geizenden Geschichte entgegen – so erwartet die Lesegemeinde eine gleichermaßen straff wie anschaulich erzählte Story, die natürlich hervorragend als Kinderkrimi funktioniert, darüber hinaus aber, dank großer Informationsfülle und geschickt ineinander verwobener Handlungsstränge, auch erwachsen(er)e Lesefreunde mitreißen wird.

Und um das Buch zu erstehen, müsst ihr gar nicht erst groß ermitteln – ihr findet es direkt bei Kleine Gestalten oder beim Buchladen ums Eck.

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