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Wird niemandem zu bunt

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Das Stichwort Afrika wird leider zunächst häufig Assoziationen der negativen Art hervorrufen: Hunger und Armut, Krieg, Vertreibung und Flucht, Failed States. Und bedauerlicherweise trifft das ja auch für so manche Gebiete zu. Aber natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit. Denn ein Kontinent dieser Größe und Vielfalt hat wesentlich mehr vorzuweisen als bloß düstere Seiten, und dementsprechend gäbe und gibt es auch viele positive Dinge zu vermelden über Afrika, auf jeden Fall hinsichtlich seiner oftmals überwältigenden Landschaften, seiner Schönheit der Natur, aber auch in Bezug auf Gesellschaften und Länder, die sich zumindest bemühen, ihre Situation zu verbessern. Ob man diese Bemühungen dann als eher aussichtslos, als aussichtsreich oder gar als erfolgreich einstuft, das hängt nicht zuletzt sehr von den Maßstäben ab, die man anlegt.

Wie etwa wäre ein Land wie Tansania einzuschätzen? Nun, dieser Blog versteht sich zwar nicht als politisches Diskussionsforum. Doch ein Buch wie „Der wunderbare Baum“ von John Kilaka, bei Baobab erschienen und ab 5 Jahren empfohlen, ist ein willkommener Anlass, euch nicht nur das Buch selbst vorzustellen, sondern darüber hinaus auch eine intensivere Beschäftigung mit seinem Herkunftsland (und dann vielleicht sogar noch mit dessen Nachbarstaaten) vorzuschlagen; Wikipedia beispielsweise bietet da einen durchaus tauglichen Einstieg in das Thema.

Doch nun zum Buch selbst:

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Der 1966 in einem Dorf im Südwesten Tansanias geborene John Kilaka entwarf es, so informiert er die Leser in einem Nachwort, nachdem er 2007 die in seiner Muttersprache Fipa erzählte Geschichte auf Tonband aufgenommen und dann in Kisuaheli niedergeschrieben hatte (Übersetzung ins Deutsche: Barbara Brennwald). Derlei traditionelle Geschichten hat er schon einige via Tonband gesammelt; so möchte er zum Erhalt dieses Teils der Kultur Tansanias beitragen.

Und darum geht es in der Geschichte: aufgrund von Trockenheit herrscht Hunger unter den Tieren des Landes. Zwar trägt ein bestimmter Baum köstliche Früchte, doch will er sie partout nicht hergeben:

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Was ist zu tun? Die Häsin schlägt vor, die weise Schildkröte aufzusuchen, diese wisse bestimmt Rat! Wer aber geht zur Schildkröte? Der Häsin wird die Befähigung dafür abgesprochen: viel zu klein sei sie. Daher besteht die erste Delegation aus Elefant und Büffel – doch sie versagt kläglich! Der zweite Trupp allerdings – Nashorn, Giraffe und Zebra:

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– scheitert ebenfalls, obwohl die Schildkröte ihnen denselben höchst simplen Tipp gegeben hat wie der ersten Abordnung. Dem sich, und so langsam wird es wirklich eng, selbst Löwe und Leopard nicht gewachsen zeigen, nachdem die offensichtlich ausgesprochen geduldige Schildkröte auch ihnen, in einem dritten Durchgang, die nämliche Auskunft erteilt hat:

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Oh weh. Müssen denn nun alle Tiere verhungern? Natürlich nicht! Denn jetzt haben die kleinen Tiere die Nase voll, und so schnauzen sie die großen Tiere an: „Was seid ihr denn für eine Hilfe? […] Wir werden alle noch vor Hunger sterben. Wir schicken jetzt die Häsin […]“.

Und das ist dann endlich die richtige Entscheidung gewesen, wie sich sogleich nach der Häsin Rückkehr von der Schildkröte herausstellt:

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Was hier schon aufgefallen sein dürfte (und im großen Format des Buches von 29,7 x 24 cm natürlich noch viel besser wirkt), sind die faszinierend bunten, enorm farbenfrohen Illustrationen John Kilakas; sie sind im Stil der sogenannten Tingatinga-Malerei gehalten, die Kilaka in Dar es Salaam studierte – ein Stil, der zeigt, wie viel Leben, Energie und Freude in Afrika stecken!

Und deshalb: wenn ihr eine schöne Geschichte mit knallbunten Bildern zu schätzen wisst und mal keinen Wert auf die nächste miese Nachricht aus jenem Teil der Alten Welt legt, dann holt euch einfach dieses wunderschöne Buch über den wunderbaren Baum beim Buchladen eures Vertrauens oder direkt bei Baobab!

So, what do you think ?