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Fakt und Fiktion, Flieger und Fuchs

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Dass Antoine de Saint-Exupéry der Autor von Der kleine Prinz ist, dürfte allseits bekannt sein. Weniger bekannt ist möglicherweise, dass er auch ein begeisterter Pilot war, der während des Zweiten Weltkriegs sogar Einsätze als Aufklärer flog. Gar nicht bekannt wird hingegen sein, dass bei einem seiner Flüge ein Fuchs mit an Bord war!
Damit allerdings haben wir die Welt der Fakten schon recht weit hinter uns gelassen und befinden uns im Reich der Fiktion – und halten das berührende und melancholische Buch „Der kleine Fuchs und der Pilot“ von Luca Tortolini (Text) und Anna Forlati (Illustration) in den Händen, bei Knesebeck erschienen und ab 5 Jahren empfohlen:

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Fakt und Fiktion also. Auch Saint-Exupéry wusste diese beiden Welten zu verbinden: so muss etwa der Erzähler im 1943 erstveröffentlichten Kleinen Prinzen in der Wüste notlanden – ein Schicksal, dass dem Autor 1935 selbst widerfahren war.

Und auch das vorliegende Buch, das von der Freundschaft zwischen einem Fuchs und einem Piloten handelt, beginnt, im Rückblick vom Fuchs erzählt, mit der Notlandung des Piloten Antoine in einem Waldstück. Ein Splitter des Flugzeugs bohrt sich dabei in die Pfote des Fuchses – und Antoine, er kümmert sich darum, verbindet die Pfote. Bisher hatte der Fuchs allen Grund, Menschen aus dem Weg zu gehen; dieser Mensch jedoch scheint anders zu sein, er ist freundlich und gutherzig:

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Um an dieser Stelle noch einmal auf den Kleinen Prinzen zurückzukommen: dort gibt es ebenfalls einen Fuchs, und nicht nur das – just dieser Fuchs ist es, der dem Prinzen mit den inzwischen fast schon legendär gewordenen Sätzen erklärt: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Nun, der Fuchs in Tortolinis Geschichte jedenfalls freundet sich mit dem Piloten an – und als Antoine sein Flugzeug repariert hat und wieder losfliegt, ist unbeabsichtigt, durch einen Zufall, auch der Fuchs mit an Bord! Und obwohl er eigentlich eine Riesenangst verspürt, verkündet er doch nicht ganz ohne Stolz: „Ich war der erste fliegende Fuchs.“

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So gelangt der Fuchs also auf Antoines Militärbasis. Eine Weile gefällt es ihm dort sehr gut. Doch irgendwann erwacht das Heimweh in ihm. Antoine bemerkt das, und er verspricht, ihn nach seinem nächsten Aufklärungsflug zurück in den Wald zu bringen.

Und wieder werden in diesem ganz außergewöhnlichen Buch Fakt und Fiktion verbunden: Am 31. Juli 1944 startete Saint-Exupéry morgens vom Flughafen Bastia zu seinem planmäßig letzten Aufklärungsflug – von dem er aber nicht mehr zurückkehrte. Er blieb verschollen. Auch im Buch wird der kleine Fuchs nun vergeblich auf seinen Piloten Antoine warten. Doch er wird nicht aufhören zu hoffen, und er stellt sich vor, wie er eines Tages mit Antoine die anderen Füchse im Wald treffen wird, und dann wird er ihnen sagen: „Habt keine Angst, das ist Antoine. Er ist mein Freund und deshalb auch der Freund aller Füchse“.

Dies ist kein ganz einfaches Buch, und es ist sicher zu empfehlen, mit den Kindern, die es lesen oder vorgelesen bekommen, auch darüber zu sprechen. Es lohnt sich! Denn so können sich Klein und Groß in eine wunderbare, warmherzige, mit ruhigen, unaufgeregten Worten (Übersetzung aus dem Italienischen: Ingrid Ickler) erzählte und mal träumerisch, mal detailfreudig und immer liebevoll-poetisch illustrierte Geschichte vertiefen, die von einem Abenteuer, vom Fliegen, vor allem aber von der Freundschaft erzählt, und zudem eine sehr schöne Hommage an den Autor des Kleinen Prinzen und an jenes Werk selbst darstellt!

Dieses großartige Buch bekommt ihr, wie üblich, bei eurem Buchladen in der Nähe oder direkt bei Knesebeck.

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