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Keine Trauben zu hoch!*

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Selbstreferenzialität, wie etwa vom Erzählen zu erzählen, kann leicht in diskursivem Langweilertum enden – oder aber einen faszinierenden und scheinbar mühelosen Spagat ausführen, bei dem gleichzeitig Hintergründig-Strukturelles ins Bewusstsein gerückt und mit überbordender Freude am Fabulieren großartig unterhalten wird!

Einleitend ein Auszug aus einem Gedicht von Henry Wadsworth Longfellow, die Kraft und Schönheit der Fantasie feiernd; abschließend die wunderbare Variation einer kurzen Fabel von *Aesop, in der sich eben jener schöpferische Geist der Fantasie als wirkmächtiges Korrektiv erweisen darf. Und dazwischen: die Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich in der Schule ein geheimnisvolles Buch ausleiht – willkommen in der Welt von „Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben“ von Pamela Zagarenski (übersetzt von Gundula Müller-Wallraf), bei Knesebeck erschienen und ab 5 Jahren empfohlen:

Fuchs verloren Buchstaben

Tja, der Fuchs … ist fast so etwas wie der heimliche Held dieses fantastischen Werkes. Zunächst aber zur eigentlichen Geschichte: Jenes oben erwähnte Mädchen also macht sich mit dem eben entliehenen Buch auf den Heimweg, um es alsbald lesen zu können. Zu Hause angekommen ist sein Erstaunen jedoch groß – wunderschöne, traumartige und traumhafte Bilder (die wir auch zu sehen bekommen werden) sind in dem Buch, doch keine Buchstaben, keine Wörter! Während es nun erneut Seite für Seite umblättert, hört es „ein leises Flüstern“ (so lautet denn der Originaltitel auch „The Whisper“), welches ihm rät, mithilfe seiner Fantasie den Bildern eigene Wörter und Sätze und Geschichten beizufügen.

Und das tut es. Zunächst noch etwas zögerlich, bald aber immer zuversichtlicher, freier, kühner. Wir als Leser aber, und dies ist ein genialer Kunstgriff, bekommen nur ihre Einleitungen zu den jeweiligen Tableaus zu lesen – was sich daraufhin entspinnen mag, das müssen wir selbst uns ausdenken! So springt die Geschichte nun von Doppelseite zu Doppelseite, von Panorama zu Panorama, doch die Bindeglieder dieser großen Erzählung gibt es nicht, wenn wir sie nicht erschaffen!

40 großformatige (21,9×28,5cm) Seiten lang wird so unserer eigenen Fantasie auf die Sprünge geholfen, und wir erleben – in genau jenem, nämlich lebendigen Sinne! – wie Erzählen geht, wie Geschichten entstehen, durch uns, in uns!

Zum Schluss, das Mädchen hat sich alles erdacht, ist eingeschlafen, aufgewacht und geht nun wieder in die Schule, begegnet ihm der Fuchs, den wir, nicht aber das Mädchen, schon einmal sahen, ganz zu Anfang, auf ihrem Heimweg von der Schule. Dann nämlich, als er …

… tja, und hier bleibt nur noch die dringende Empfehlung, sich dieses großartige Stück Literatur zuzulegen, zu genießen, und mithilfe der Fantasie auch unsere eigenen Geschichten zu gestalten!

Und wie üblich bekommt ihr dieses Buch beim Buchladen eures Vertrauens oder direkt bei Knesebeck.

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