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Feuer und Flamme für die Menschen

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Wie ist es wohl entstanden, dieses ganze Szenario um uns herum und mit uns darin? Durch einen großen, eher plan- und ziellosen Knall? Oder durch einen bewussten Akt der Schöpfung? Die Naturwissenschaften, insbesondere Physik und Astronomie, haben ihren rationalen Zugang zum Thema Kosmologie, und wahrlich faszinierende Fakten und Theorien gibt es dabei zu entdecken. Noch viel unterhaltsamer und vor allem aufschlussreicher bezüglich des Wesens des Menschen aber ist, was sich über die Jahrhunderte, Jahrtausende an Schöpfungsmythen angesammelt hat!

Und dabei lohnt es sich, wie eigentlich immer, auch wieder über den eigenen soziokulturell-geographischen Tellerrand hinauszuschauen. Denn die hiesige, landläufige Annahme eines gern als weißbärtig und gehobenen Alters imaginierten würdigen Herren, der hinter all dem stand bzw. nach wie vor steht, ist hinlänglich bekannt – wie aber stellt(e) man sich das ganz woanders auf der Erde vor, beispielsweise in Mexiko?

Dort, so geht die Legende, betrat die gerade erst im Aufbau befindliche Bühne des globalen Geschehens ein Wesen namens Tlacuache, auch genannt „Der Feuerdieb“ – und von ihm erzählen uns nun Ana Paula Ojeda (Text) und Juan Palomino (Illustration) in ihrem großartigen, bei Baobab erschienenen und ab 5 Jahren empfohlenen Buch:

Ojeda_Feuerdieb_Cover_300

Ladròn del fuego“ heißt der Feuerdieb auf mexikanisch; und so liegt auch das ganze Buch zweisprachig vor (Übersetzung des Spanischen ins Deutsche von Jochen Weber) – eine wunderbare Gelegenheit, zudem noch sprachlich über oben genannten Tellerrand hinauszulesen.
Was aber mag es mit dem auf dem Cover zu sehenden Opossum auf sich haben? Nun, jenes Tier heißt im Spanischen, stammend aus der Sprache der Nahuatl, just Tlacuache – und ist besagter Feuerdieb!

„Es war die Zeit, als alles begann […] Alles war war voller Leben, aber alles war noch ungeordnet […]“:

Feuerdieb_3

Und weiter erfahren wir: „Es war der Tlacuache, der über die Welt herrschte und den Himmel trug. Er war der weise Alte, den alle um Rat baten“ – und der sogar festlegte, „wie die Flüsse fließen sollten […]: Wie die Zeit. Gewunden, in Wellen, niemals geradeaus“:

Feuerdieb_4

Das hätte man dem einen oder anderen Wasserlauf-Begradigungsfanatiker unserer modernen Zeiten mal mit auf den Weg geben sollen!
Wie aber kam es nun, dass er, der Tlacuache, darin ja seinem griechischen Amtskollegen Prometheus ziemlich ähnlich, das Feuer zu den Menschen brachte? (und dazu noch, unter anderem: Meskal! – doch, doch, man kann dieses Buch durchaus zusammen mit Kindern anschauen, das eine oder andere wird man ihnen dann eben erklären müssen)
Nun, das gelang ihm, indem er, mithilfe seines danach dann gänzlich haarlosen Schwanzes, der Herrin des Lichts ein kleines bisschen davon (also vom Feuer, nicht vom Meskal) stibitzte:

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So. Mit diesen wenigen, kargen Worten kann ein Mythos freilich nicht angemessen vorgestellt werden. Und es ist auch sehr schwer, mit ihnen einem Buch gerecht zu werden, das sein Thema, welches natürlich noch viel umfassender ist als hier skizziert, in einer enorm kraftvollen, weit ausgreifenden, weit tragenden Sprache erzählt, die wuchtig und ernst, aber nie schwer oder schwerfällig ist, sondern ausnehmend poetisch, und einfach wunderschön. Und das gilt auch für die Illustrationen: erneut erweist es sich als ein großer Gewinn, dass es Verlage wie Baobab Books gibt, die sich ferneren Kulturen zuwenden, um uns deren künstlerischen Reichtum nahezubringen – so haben wir die fantastische Gelegenheit, mit den Augen durch Welten zu wandeln, die unsere visuellen Gewohnheiten aufbrechen und uns neue, andere Gedankenbilder nahebringen.

Wem es also hier und jetzt, zu dieser kalten und dunklen Jahreszeit, ein wenig zu kalt und dunkel ist, der hat mit diesem absolut empfehlenswerten Buch eine prima Gelegenheit, sich Wärme und Licht, und eigentlich auch eine kleine Zeit-, Welt- und Kulturreise, ins Haus zu holen – und dies am Besten über den Buchladen eures Vertrauens oder direkt bei Baobab.

So, what do you think ?