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Auf einer Erde vor unserer Zeit

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Dinosaurier und Großformat? Na, wenn das nicht perfekt zusammenpasst. Und 27 x 37 cm können mit Fug und Recht als großes Format bezeichnet werden – zumal sich daraus ja nach Adam Riese im aufgeklappten Zustand eine Doppelseite von stattlichen 54 x 37 cm ergibt! Groß genug also, um fast schon einen kompletten Giraffatitan (doch, den gab‘s wirklich, und der sah, nomen est omen, auch genau so aus) abzubilden? Nun, das vielleicht nicht ganz; und „Der Atlas der Dinosaurier“ von Emily Hawkins (Text) und Lucy Letherland (Illustrationen), bei Kleine Gestalten erschienen und ab 6 Jahren empfohlen, macht ohnehin etwas anderes aus seinen Maßen:

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Im englischen Original nämlich trägt dieses Buch den eigentlich noch etwas besser passenden Titel „Atlas of Dinosaur Adventures“; die deutsche Ausgabe deutet es immerhin durch ihren Untertitel, „Komm mit auf eine Abenteuerreise …„, an – und tatsächlich ist es genau das, was uns hier auf insgesamt 88 Seiten in vielen höchst anschaulichen und den ihnen zur Verfügung stehenden Großraum ideal nutzenden, zuweilen fast schon wimmelbuchartig auftretenden Tableaus präsentiert wird: Echtzeitmitschnitte quasi aus dem ziemlich ereignisreichen, spannenden Alltag diverser Bewohner des Mesozoikums, präsentiert aus all ihren Verbreitungsgebieten!

Es beginnt mit einer Übersicht besagter Verbreitungsgebiete. Gezeigt wird uns die Lage der Erdplatten in Trias, Jura und Kreidezeit im Vergleich zu heute – und da beginnt schon das große Staunen, wie veränderlich deren Positionen über einen entsprechend langen Zeitraum gesehen doch waren, und immer noch sind:

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Und dem folgt dann die Vorstellung ausgewählter ehemaliger Erdbewohner, geographisch aufgeteilt je nach Fundort ihrer Überreste. Das müssen dankenswerterweise auch nicht immer die Posterboys and -girls der Dinowelt sein; weswegen wir uns beispielsweise und zur Abwechslung mal in Australien der „Überlebenskunst im Dunkeln mit dem [allgemein vermutlich etwas weniger bekannten] Leaellynasaura“ widmen können:

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oder in Großbritannien „Babys großziehen mit dem Plesiosaurus“ (das sind die Blauen im Bild; der Schwarz-Weiße ist ein Liopleurodon, mit mächtigem Maul und ebensolchem Hunger):

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oder, um beim Thema Nachwuchs zu bleiben, diesmal jedoch ganz woanders, und zwar in den USA, einer „Flugstunde mit dem Pteranodonbaby“ beiwohnen dürfen:

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Freilich kommen auch jede Menge Giganten in diesem umfangreichen Buch vor; es wird hier also ebenfalls fündig, wer Superlative sucht. Was man aber obendrein noch entdecken kann, sind immer wieder in den Tableaus versteckte kleine Späßchen wie etwa ein Ceratosaurus mit Käscher in der Hand – Pardon: in der Kralle, klares Merkmal natürlich eines Raubtiers; ein Saurierkind mit Schwimmring um den Körper; ein Tyrannosaurus mit Lätzchen; auch Flugkapitänsmützen, schicke Halstücher und derlei weitere drollige Accessoires sichten aufmerksame Betrachter!
Selbstverständlich kommt trotzdem die wissenschaftlich-faktenbasierte Information nicht zu kurz; allerdings liegt der Fokus dieses schönen Buches auf seinem hohen Unterhaltungswert – und den hat es auf jeden Fall, nicht zuletzt durch die begleitenden Texte (Übersetzung aus dem Englischen: Andreas Bredenfeld), welche die Lebensumstände der vorgestellten Dinosaurier und Reptilien zu kleinen Geschichten, oftmals sogar veritablen, actionhaltigen Abenteuern werden lassen.

Fast so gut also, wie live dabei (gewesen) zu sein – und wesentlich ungefährlicher, denn damals ging es schon auch ziemlich zu! Wer also mal eben ein paar Millionen Jahre in die Vergangenheit blicken möchte, der hole sich diese große Rückschau beim Buchladen ums Eck oder direkt bei Kleine Gestalten.

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