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Grande Finale

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Tja, ihr lieben Leute – da dieser Blog zum Ende des Monats in den Ruhestand geht, und da dies mein letzter Beitrag ist, möchte ich mich von euch natürlich mit der Vorstellung eines echten Knüllers verabschieden. Diesen Knüller liefert mir nun „Das Tigerei“ von Nele Brönner, bei NordSüd erschienen und ab 4 Jahren empfohlen:

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Ein Tigerei? So etwas gäbe es? Nun, freilich gibt es das nicht, zumindest nicht direkt – aber wenn eine Jungfrau ein Kind bekommen kann, wieso sollte dann nicht auch ein alter, etwas grantiger Tiger namens Hermann, der in einem Zoo sein Dasein fristet, plötzlich mit der Aufgabe betraut werden, sich eines Vogeleis anzunehmen? Na eben. Wunder gibt es schließlich immer wieder, wie schon die oft und gern zitierte Katja Ebstein wusste. In diesem Fall findet das Wunder in der Form statt, dass besagtes Ei aus heiterem Himmel dem darob leicht konsternierten Hermann auf den Kopf plumpst und ihm dann zwischen die Pfoten kullert.

Und weil wir uns hier in der schönen Welt der (Kinder-)Bücher befinden, in der die Phantasie noch zu ihrem Recht kommen darf, verspachtelt Hermann jetzt nicht etwa des Eies Inhalt, sondern beschließt, es zu beschützen. Und dann dauert es nicht lang, und heraus kommt …:

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Wer könnte angesichts dieses hilflosen Federbällchens keine Elterngefühle entwickeln? So kümmert sich Hermann also herzerweichend liebevoll und rührend um seinen Adoptivsprössling, umsorgt ihn, füttert ihn – und da das kleine Kerlchen sich alsbald für einen veritablen Tiger hält und dementsprechend demnächst mal auf die Jagd zu gehen gedenkt, bringt er ihm bei, wie „fürchterliches Tigergebrüll“ geht. Mit Erfolg, wie man hier sieht:

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Doch dann wird es abenteuerlich, denn der Piepmatz kommt nun auf die deutlich überambitionierte Idee, seine neu erlangte Fähigkeit gleich mal an erheblich größeren Kreaturen auszuprobieren … Wie das ausgeht? Gut, natürlich – aber wie gut, das müsst ihr freilich selber lesen!

So. Bücher für Kinder dürfen vieles und können alles. Und es gibt nicht ihre eine, wichtigste Aufgabe, und auch nicht die eine, beste Art der Umsetzung. Die Bandbreite reicht von lustigstem, weitestgehend sinnbefreitem Unfug über die hohe Kunst einfach guter Unterhaltung bis hin zu dem Bestreben, dem Nachwuchs das gedankliche Rüstzeug auf den Weg zu geben, sich selbst zu einem anständigen Menschen und im Zuge dessen vielleicht sogar die Welt zu einer besseren zu machen.
Und zum Glück gibt es keine absoluten Maßstäbe, mittels derer vollgültig eingestuft werden könnte, welches Buch nun welches Bestreben hat, und ob es das in Text und Bild gelungen umzusetzen wusste.
Panta rhei – alles fließt: Schönheit liegt im Auge des Betrachters; der Lesegenuss und die Antwort auf die Frage, was ein Buch mit auf den Weg geben kann, liegen im wohlwollenden Rezipieren durch die kleine und große Leserschaft.

Für mich jedenfalls ist „Das Tigerei“ das Paradebeispiel einer umwerfend illustrierten, liebevollen, witzigen, phantasievoll über die Realität hinausgehenden und trotzdem kluge Gedanken zu eben jener Realität vermittelnden Geschichte – es geht um Schutz für Schutzbedürftige, es geht um das Überwinden von eingeprägten Schranken, es geht um Mut und um die Anforderungen des Heranwachsens; und all das auf 32 großformatigen (Doppel-)Seiten, von denen jede einzelne in Wort und Bild eine ganze kleine Welt erzählt, und diese Welten fügen sich dann zu einem großen Ganzen, das man kaum noch aus der Hand legen will.

Aber ob es nun dieses Buch ist (das ihr wie üblich bei eurem Buchladen ums Eck erhalten werdet; die Verlagshomepage wird momentan noch umgebaut) oder ein anderes, das euch und vor allem natürlich eure Kinder begeistert und fasziniert, das euch zu Tränen des Lachens, der Freude oder der Rührung treibt, das euch zum Nachdenken anregt, das euch Fragen stellt, die ihr mit in den Tag nehmen werdet, das euch Kraft und Hoffnung gibt oder euch auch einfach mal nur für eine kleine Weile in Sphären trägt, in denen plötzlich alles möglich ist – egal also, welches Buch es ist, welche Bücher es sind: bleibt ihnen gewogen, sie brauchen euch. Denn wenn sie gelesen werden, dann leben sie.

Und ich danke euch fürs Lesen meiner Beiträge in diesem Blog.

Frank E.

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