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Hungry For Stink*

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Der Skunk trägt seine landläufige Bezeichnung „Stinktier“ bekanntlich deshalb, weil dies etwas ist, was er ganz besonders gut kann: im Falle eines Angriffs sich mit einem gewaltig stinkenden Sekret zur Wehr zu setzen. Insofern hat jener distinguierte Herr, der im feinen Zwirn just sein Haus verlassen will, mächtig Glück – das Stinktier nämlich, welches da direkt vor seiner Tür hockt und ihn anstarrt, hat offensichtlich nicht die Absicht, ihn von seinen Defensivkräften zu überzeugen:

Das Stinktier_1

Was aber führt es stattdessen im Schilde? Davon erzählt uns nun die herrlich groteske, adäquat „Das Stinktier“ betitelte Geschichte von Mac Barnett (Text) und Patrick McDonnell (Illustration), bei Tulipan erschienen und von 0 – 99 Jahre [sic!] empfohlen:

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Also: Der elegant gekleidete Ich-Erzähler (Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch: Barbara Küper) umläuft das Stinktier jetzt höchst vorsichtig – er wird von dessen potenzieller Verteidigungstaktik wissen – und macht sich auf den Weg. Und mit ihm das Stinktier. Was er zunächst amüsant findet. Bald jedoch muss er realisieren, dass das Tierchen nicht etwa zufällig in dieselbe Richtung will, oh nein: Es läuft ganz konkret ihm hinterher! Das allerdings findet er nicht mehr so lustig. Was nun? Er befragt es – keine Antwort, natürlich nicht, kann ja nicht reden. Er versucht, es zu bestechen – kein Interesse. Er versucht, es abzuschütteln – keine Chance, es macht ihn sogar noch in der Oper ausfindig.

Nach diesem hochkulturellen Intermezzo jedoch gibt er dann alles – und schafft es endlich, seinen ja fast schon unheimlichen Begleiter (den übrigens irgendwie nur er wahrzunehmen scheint … ob das Kerlchen wohl Harvey heißt, oder gar Frank?) durch eine wahrlich abenteuerliche Flucht loszuwerden. Riesenerleichterung! Und so groß ist seine Sorge, die gestreifte Bedrohlichkeit könne wieder auftauchen, dass er in einem anderen Stadtteil ein neues Haus kauft, sich ein ganz neues Leben zulegt. Begeistert von seiner hart erkämpften Freiheit beschließt er sogar, eine Party zu schmeißen … und was passiert? Es taucht wieder auf! Jedoch wie? In seinen Gedanken, mitten während eines abgefahrenen Dance Moves:

Das Stinktier_2

Und prompt öffnet sich ein Fragenkatalog: Wo mag es jetzt wohl sein? Was mag es jetzt wohl tun? Das muss doch herauszufinden sein!

Tja. Dies hier ist nicht, so viel sei bereits verraten, die Geschichte vom Anfang einer wunderbaren Freundschaft. Jedoch ist es ganz sicher auch nicht die Geschichte vom Ende einer innigen Feindschaft. Eigentlich ist es … vor allem eine umwerfend witzig erzählte, brillant illustrierte Geschichte, die bei jedem Durchlesen mehr Spaß macht, sich immer ein Stück mehr zu erklären scheint, und dann auch wieder nicht! Ein großartiges thematisches Verwirrspiel ist das, fast könnte man von einem Wort und Illustration gewordenen Vexierbild sprechen! Was soll man denn nun fokussieren? Wie ist das alles bloß gemeint? Gibt‘s hier etwa noch eine versteckte interpretatorische Metaebene?

Wir sagen: Legt euch das Buch zu, und findet es selbst heraus!

Ihr bekommt es wie üblich beim Buchladen eures Vertrauens oder direkt bei Tulipan.

*L7

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