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Gegeben war der Tod dem Leben*

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Kürzlich beschäftigten wir uns hier mit einem Titel, der das höchst anspruchsvolle Thema Tod so erstaunlich wie gelungen in Form einer Abenteuergeschichte umsetzte. Heute stellen wir euch nun ein Buch vor, das sich zwar dem gleichen Thema widmet, es aber fast essayistisch angeht – und damit voll und ganz überzeugt!

Die Rede ist von „Das Leben und ich“ von Elisabeth Helland Larsen (Text) und Marine Schneider (Illustration), bei Kleine Gestalten erschienen und ab 4 Jahren empfohlen:

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Der Untertitel „Eine Geschichte über den Tod“ ist ein wenig irreführend. Denn zum einen ist es der Tod selbst, der hier aus der Ich-Perspektive spricht, zum anderen könnte man fast sagen, dass er – bzw. sie, denn das Cover und die Bilder im Buch zeigen ein Wesen mit eher weiblicher Anmutung, fast ein Mädchen – anstelle einer Geschichte gewissermaßen sein Arbeitsprofil präsentiert, über seine eigene Existenz philosophiert. Und es ist geradezu überwältigend zu lesen, zu sehen und zu fühlen, wie umfassend ein solch ungewöhnlicher Ansatz dem Thema gerecht wird, wie unmittelbar er es einem nahe bringt.

Werfen wir also einen genaueren Blick auf die Person, die da unterwegs ist, um irgendwann bei einem jeden, bei einer jeden zu erscheinen:

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Etwas leicht Unheimliches ist ihr zwar durchaus eigen, dennoch wirkt sie nicht bedrohlich oder beängstigend, sondern eher fremd und unbekannt. Und dass sie auf einem rosa Fahrrad aus einem Wald voller Blumen herausrollt, hilft natürlich sehr, nicht gleich vor Schreck zu erstarren. Und dann diese Worte, so nüchtern, so sachlich, überhaupt nicht furchteinflößend, sondern ruhig und beruhigend gar: „Ich bin der Tod. So wie das Leben Leben ist, bin ich der Tod.“ Ein geradezu lyrischer Aphorismus!

In der fantastischen Übersetzung aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein bleibt dieses enorm kunstvolle, immer aber ganz klare, direkte und unaufdringliche Sprachniveau durchgehend erhalten. Im Original trägt das Buch den Titel „Jeg er Døden“ – was wohl mit „Ich bin der Tod“ übersetzt werden kann. Tatsächlich erscheint jedoch der deutsche Titel passender, wie dieses Bild belegen mag:

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Und auch hier wieder diese wunderbaren, erhabenen Worte: „Das Leben und ich sind in allem, das einen Anfang hat und ein Ende.“ Worte, so schön, so deutlich, so groß, und doch so leicht! Immer wieder spürt und erkennt man, welche Erfahrung die Autorin im Umgang mit dem Thema hat: Seit 20 Jahren tritt sie als Clown in Kinderhospizen auf.

Und gar nicht genug loben kann man auch die sanften Illustrationen, die dem Tod, fast wie im Schweben, ganz elegant und liebevoll den Schrecken nehmen, während sie seine Berichte darüber begleiten, zu wem, ob Mensch, ob Tier, er kommt, und wann, und wie.

Soll man dieses Buch nun jenen Menschen empfehlen, die just die Erfahrung eines Verlustes machen mussten? Unbedingt – aber eben auch allen anderen. Denn irgendwann muss sich jeder von uns einer solche Erfahrung stellen, und dann wird es sehr hilfreich sein, ihr nicht unvorbereitet zu begegnen. „Das Leben und ich“ lässt uns einen Blick hinter den Vorhang werfen – einen beruhigenden, tröstenden, heilenden Blick.

Ihr findet das Buch bei eurem Buchladen in der Nähe oder bei Kleine Gestalten.

*Laibach

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