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OstWest bei NordSüd

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Weit liegen sie zurück, die Tage von Goethes West-östlichem Divan. Heutzutage spukt stattdessen in vielen Köpfen das Gespenst eines weiteren, sinister gesinnten Heerlagers der Heiligen herum, diesmal allerdings nicht, wie weiland bei Jean Raspail, aus Indien stammend, sondern in Form einer Karawane von Orient gen Okzident, die Übles im Schilde führt, Verbrechen und Terror mit sich bringt. Ob das realistisch ist? Gott (oder Allah) bewahre, wen interessiert das im Zeitalter des (vor allem auch medialen) Geschreis.
Wie notwendig wäre es da, jene Kakophonie einmal auszublenden, und die Sinne zu schärfen, um etwas ganz anderes wahrzunehmen, nämlich das Raunen eines uralten, traditionsreichen Kulturkreises, um es also zu hören, „Das Flüstern des Orients“! Aus diesem Flüstern könnten sie dann wohl hervortreten, „Arabische Märchen zum Vorlesen und Entdecken“ – denn so lautet der Untertitel dieses ganz besonderen Buches von Franziska Meiners (Text und Illustration), bei NordSüd erschienen und ab 6 Jahren empfohlen:

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Entstanden im Rahmen des Bachelorprojektes der Autorin, bringt dieses wunderbare, großformatige Buch (22,3 x 26,4 cm) auf 112 Seiten Klein und Groß in Berührung mit sechs Erzählungen und Märchen aus dem Morgenland, die, passend zu der ganz eigenen Schönheit der Geschichten, überaus kunstvoll illustriert sind – wie etwa hier in „Das Geheimnis des schwarzen Kleides“:

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oder in der Tausendundeiner Nacht nachempfundenen Geschichte „Der Fischer und der Dschinn“:

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Doch da dieses Buch zu einer ganz nahen, ganz intensiven Beschäftigung mit seinem Thema motivieren möchte, enthält es zudem noch ein erläuterndes Wörterverzeichnis uns eventuell nicht so geläufiger Begriffe seiner sprachlichen Herkunft; eine kurze Einführung zum geographischen Umfeld seiner Geschichten; einige „Märchen-Mitmachseiten“, auf denen man sich mit der arabischen Schrift befassen und Illustrationen ausmalen kann; und schließlich liegen ihm auch „Märchen-ABC-Karten“ bei, die ein weiteres, noch tieferes Kennenlernen der arabischen Schrift ermöglichen.
Darüberhinaus lohnt es sich, auf der Homepage der Autorin einen Blick auf ihre eigene Erläuterungen zu ihrem Ansatz zu werfen.
Wie engagiert das ist, wie konsequent umgesetzt, wie liebevoll gemacht: unsere Hochachtung!
Der vielzitierte kulturelle Austausch – gäbe es mehr Projekte der hier vorgestellten Art, die sich zwar primär an Kinder wenden (denn sie sind die Zukunft), aber auch, dank ihrer kunstvollen, jedoch nicht abgehobenen Machart, die Welt der Erwachsenen nicht außen vor lassen: man könnte tatsächlich Hoffnung schöpfen, dass besagter Austausch zum Erfolg im Sinne eines guten und grundsätzlichen gegenseitigen Verständnisses führen würde.

Wie üblich bekommt ihr dieses Buch beim Buchladen eures Vertrauens; und wenn die Verlagshomepage ihren Umbaumodus wieder verlassen hat, dann sicher auch dort.

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