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cogito, ergo summ

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„Das Wort gleicht der Biene: Es hat Honig und Stachel“, heißt es im Talmud. Um das Wort jedoch, um Wörter und Sprache ganz allgemein brauchen wir uns keine Sorgen zu machen: sie werden nicht (vor uns Menschen) aussterben. Bei den Bienen aber kann man sich nicht mehr so ganz sicher sein. Allerhöchste Zeit also, ihnen schon zu Lebzeiten ein Denkmal zu setzen, welches beständig daran erinnert, wie unendlich wertvoll und wichtig diese kleinen Lebewesen für die Erde und ihre Bewohner sind!

Diese Aufgabe meistert nun auf superbe Weise Piotr Socha mit „Bienen“, bei Gerstenberg erschienen und ab 5 Jahren empfohlen:

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Eines Denkmals und auch der Leistungen seines Sujets würdig erweist sich dabei bereits das Format dieses echten Großwerkes: 80 Seiten à 27,5 x 37,5 cm, prall gefüllt mit Informationen und wunderbaren Illustrationen, deren besonderer und sehr liebevoller Stil Humor, Detailverliebtheit, Freude am grafischen Erzählen und Präzision der Beobachtung in sich vereint – fantastisch!

Eigentlich ist es aussichtslos, davon – ohne das Original – auch nur einen vagen Eindruck vermitteln zu wollen; es kann etwa das Kapitel „Bienenkönigin und Fortpflanzung“ kaum anders als real auf der vollen, ausgebreiteten Doppelseite seine Wirkung so richtig entfalten:

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Zudem: Was hier, am unteren Rand des Bildes, bloß ein bisschen Text zu sein scheint, ist tatsächlich eine enorm reichhaltige Ergänzung der visuellen Erfahrungswerte – eine große Menge Wissen findet sich dort, kurzweilig-unterhaltsam in Worte gefasst (die tolle Übersetzung aus dem polnischen Original stammt von Thomas Weiler). Und so ist das auf jeder Doppelseite! Illustrationen von honigsüß bis stichelnd skurril (die Darstellungen der meisten Menschen!), und so viele Informationen, dass einem der Kopf schwirren könnte, wäre das alles nicht so schön strukturiert und übersichtlich geordnet. Wobei manche Fakten wirklich kaum zu glauben sind: Wer hätte gedacht, dass Bienen bis 3 zählen können? Dass sie, wenn nötig, auch mal eine asiatische Riesenhornisse zu garen wissen? Oder dass die Sammelbienen eines Volkes pro Tag bis zu 150.000 Mal für die Nektar- und Pollenkollekte ausfliegen? Tja.

Piotr Socha wuchs als Sohn eines Imkers mit Bienen auf; das mag erklären, woher diese in jedem einzelnen Bild und in jedem Wort zu spürende Zuneigung zu den Apiformes stammt. Und im Sinne eben jener evidenten Zuneigung ist dieses ganz besondere Buch dann auch nicht nur ein würdigendes Denkmal, sondern vor allem ein warmherziges, bewunderndes Plädoyer dafür, sich um das Wohl der Bienen zu kümmern – denn wenn man sich schon, ohne sie zu fragen, an den Früchten ihrer Arbeit labt, sollte man doch sehr darauf achten, es ihnen nicht auch sonst noch unnötig schwer zu machen …

… er hier allerdings muss sich davon nicht angesprochen fühlen:

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Und dieses höchst empfehlenswerte Buch findet ihr wie üblich bei eurem Buchladen ums Eck oder via Gerstenberg.

So, what do you think ?