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Jubel, Trubel, Göttlichkeit

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Für viele Menschen mögen Begriffe wie Glaube und Religion grundsätzlich negativ behaftet und daher abzulehnen sein. Für viele mehr aber haben diese Wörter und ihre Bedeutungen einen sehr hohen Stellenwert. Doch wodurch entscheidet sich, woran man jeweils glaubt? Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass die meisten Menschen in ein bestimmtes Glaubenssystem hineingeboren werden, in ihm aufwachsen und es infolgedessen auch beibehalten. Was aber, wenn man sich erst in späteren Jahren, und basierend auf gründlicher inhaltlicher Reflexion, die freilich auch oder sogar vorwiegend spiritueller Natur sein kann, auf eine Glaubensrichtung einlässt? Welche Faktoren mögen dann bestimmend sein, den Ausschlag geben?

Wir wollen an dieser Stelle natürlich keinesfalls in irgendeine Richtung argumentieren; doch nach der Lektüre von „Aus dem Milchmeer entstand die Welt“ darf man durchaus feststellen, dass sich ein Glaubenssystem mit einer Vielzahl an Göttinnen und Göttern vor allem für jene empfiehlt, die eine gewisse Lebendigkeit bevorzugen, die es mögen, wenn es auch mal hoch hergeht:

Rietberg_Milchmeer_Cover

Acht Göttergeschichten aus Indien“, so der Untertitel, stellt uns dieses vom Züricher Museum Rietberg herausgegebene, bei Baobab erschienene und ab 9 Jahren empfohlene Buch vor; nacherzählt haben sie Caroline Widmer und Penelope Tunstall; und angereichert werden sie durch Reproduktionen indischer Malereien aus der Sammlung des Museums.

Und in der Summe ergibt das dann eine fantastische Reise durch Raum und Zeit und alle acht Rasas der klassischen indischen Ästhetik, als da wären Liebe, Humor, Zorn, Pathos, Tugend, Furcht, Abscheu und Verwunderung. Tja, wie gesagt, es geht hoch her!

Da wird gesehnt und geliebt, gestritten und gekämpft, gewettet und gelacht, dass es eine helle Freude ist. Dass die sogenannte Traumfabrik Hollywood gegen Bollywood bzw. den Hindi-Film zuweilen kaum mehr als eine Hinterhofwerkstatt für Illusionsskizzen zu sein scheint – mag das auch an diesen turbulenten göttlich-geschichtlichen Hintergründen Indiens liegen?

Jedenfalls begegnen wir in diesem besonderen Buch unter anderem der Göttin Devi auf einer Pinselspitze:

Pinselspitze

dem Büffeldämon Mahisha und seinem Untergang:

Büffel

den Götterkindern Kartikeya und Ganesha beim Wettrennen:

Wettstreit

und den Vorbereitungen für einen Unsterblichkeitstrank:

Trank

Selbstverständlich ist dieses Buch aber auch dann eine echte Empfehlung, wenn man sich nicht gerade auf der Suche nach einer (neuen) Glaubensheimat befindet – es ist nämlich, nicht zuletzt dank seines informativen Vorwortes sowie seines abschließenden Wer-ist-wer der vorgestellten Götterwelt, vor allem mal wieder ein wunderbares Angebot, einen ersten Blick auf eine andere Kultur bzw. deren Religion zu werfen und sich von ihr faszinieren zu lassen.

Wenn ihr euch also auf die Reise begeben möchtet: ihr bekommt das Buch wie üblich beim Buchladen in eurer Nähe oder direkt bei Baobab.

So, what do you think ?